Dela Gotthelft: Künstlerpostkarte
Adele Elisabeth, die Tochter von Selma und Richard Gotthelft, wurde am 9.9.1892 in Kassel geboren.
Sie steht für jene jüdischen Deutschen, die unter dem Verfolgungsdruck, den die Nationalsozialisten entfesselten, nach Palästina emigrierten und am Aufbau des Staates Israel mitwirkten.
Dela hatte bei Konrad von Zawilowsky, Julius von Raatz-Brockmann und dem 1943 in Sobibor ermordeten Johannes Lorie eine ausgezeichnete Ausbildung zur klassischen Sängerin genossen. Engagements führten sie in den 20er Jahren an bedeutende deutsche Bühnen.
Das nationalsozialistische Berufsverbot für jüdische Künstler beendete ihre Karriere und zwang auch sie zur Emigration. In Palästina musste sie ihren Lebensunterhalt zunächst als Verkäuferin in einem Bekleidungsgeschäft fristen, ehe sie in ihrem eigentlichen Beruf dazu beitragen konnte, ein kulturelles Leben nach europäischem Vorbild zu entwickeln. Sie sang als Solistin des Jerusalem Academic Chorus und der Palästinensischen Kammeroper und war Mitglied des Rundfunkchores des Palestine Broadcasting Services.
An ihr zeigen sich die immensen Schwierigkeiten, die für viele Flüchtlinge mit dem Neubeginn in Palästina verbunden waren: Dazu gehörten das Erlernen des modernen Hebräisch, neben dem Englischen und Arabischen die wichtigste Landessprache, die Bewältigung des Alltags in einer weitgehend fremden Kultur und das Bestehen in einem neuen Beruf, der ergriffen werden musste, weil an dem alten, in Deutschland ausgeübten, kein Bedarf bestand.
Die Künstlerpostkarte entstand am 29.9.1924 nach einer Aufführung der Mozart-Oper Die Zauberflöte. Sie richtet sich an den österreichischen Pharmakologen Adolf Jarisch (1850–1932) am Pharmakologischen Institut in Innsbruck. Jarisch zählt zu den prägenden Vertretern seines Fachs im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Sein Name ist bis heute durch den Bezold-Jarisch-Reflex (Herz-Kreislauf-Reflex) bekannt, dessen Entdeckung auf Arbeiten von ihm und Albert von Bezold zurückgeht.
Den folgenden Text notierten Dela und ihr Sängerkollege Fritz auf die Ruckseite einer Künstlerpostkarte, die die Mitverfasserin zeigt:
Crefeld 29./IX.
Lieber Adi! Einen gemeinsamen Gruß von Frl. Gotthelft & mir, [bei der] ich zu meiner Verwunderung Dich als gemeinsamen Bekannten - ausgerechnet hier in Crefeld - fand. Wir schreiben nach einer "Zauberflöten"-Aüfführung. - Herzlich Dein alter Fritz
Lieber Adi! Ich habe mich so sehr gefreut, indirekt mal wieder von Ihnen zu hören u. besonders, daß es Ihnen gut geht. Ist es nicht komisch [sic!] daß ausgerechnet der Freund mein Vorgesetzter hier ist. Herzliche Grüsse Dela Gotthelft.
Laut Frieda Sichels Stammbaum verstarb Dela am 12.10.1967 in Haifa. Damit ist das Rätsel um das Todesdatum der Sängerin gelöst, entsprechende Webseiten wie z. B. auf Wikipedia können korrigiert werden.
Künstlerpostkarte von Adele Elisabeth (Dela) Gotthelft (1892-1967), Anfang/Mitte der 20er Jahre.
Fotograf der Aufnahme nicht zu ermitteln.
Gemeinfreies
Lichtbildwerk.

